Filmpremiere im Cineplex
4. Januar 2026: Gespannt warten die Freunde des alten botanischen Gartens auf den 14. Januar, an dem im Cineplex erstmals der internationale Spielfilm „Silent Friend“ gezeigt wird. Denn das bei den Filmfestspielen in Venedig sehr erfolgreich vorgestellte Werk spielt in Marburg und insbesondere im alten botanischen Garten. Die Geschichte rankt sich kunstvoll um einen sehr alten und großen Ginkgo, von dessen Art es im Garten zwei Exemplare gibt.
Doch wer sich im Garten auskennt und das inzwischen veröffentlichte Filmplakat betrachtet, der stockt und fragt: „Wo steht denn dieser Baum?“ Zu finden ist er tatsächlich nur im Reich der Fantasie. Die cineastische Freiheit verknüpft in diesem Ginkgo die natürlichen Eigenschaften der Pflanze mit der Rolle des Baumes im Film. Ginkgos können über tausend Jahre alt werden, ihre zweigeteilten Blätter lassen sich mit Werden und Vergehen in Zusammenhang bringen.
„Ginkgos sind lebende Fossilien“, sagte laut Hessischem Rundfunk die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi bei einer Vorstellung der Produktion im Marburger Rathaus. „Sie sind auch genetisch so aufgestellt, dass sie quasi am Sterben gehindert werden und sehr, sehr alt werden können.“
Enyedi, so schreibt die Oberhessische Presse, sei auf den alten botanischen Garten durch ihren deutschen Ehemann gekommen, der ihr vor 35 Jahren dieses Kleinod mitten in der Stadt zeigte.
Im Garten stehen zwei Ginkgos: ein männlicher an der Behringtreppe und ein weiblicher vor dem Schäferbau und der neuen Universitätsbibliothek. Letzterer ist durch seinen Standort als Inspiration für den Film-Ginkgo zu betrachten, denn er verbindet die Wissenschaft und die Menschen mit der Natur. Das alles ist Gegenstand des Spielfilms, der in ruhigen Bildern über mehrere Zeitebenen hinweg seine Geschichten erzählt. Während der reale Baum erst 1960 gepflanzt wurde und nach Schweißfüßen riechende Früchte trägt, ist sein Film-Pendant uralt und auf seine Art weise.
Auch Johann Wolfgang von Goethe hat dem Ginkgo seine Aufmerksamkeit gewidmet:

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten
Wie`s den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt,
Sind es zwey die sich erlesen,
Daß man sie als Eines nennt.
Solche Frage zu erwiedern
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin.
15. September 1815

Das Filmplakat mit dem cineastischen Ginkgo-Baum. (Quelle: Pandorafilm)

Dieses Requisit - ein Baumstumpf - stand während der Dreharbeiten im alten botanischen Garten. (Foto: Andrießen)

Für die Dreharbeiten wurde in der Oberstadt diese Kulisse aufgebaut. (Foto: Kaufmann)

Grete (Luna Wedler) und Thomas (Johannes Hegemann) in einer Szene von "Silent Friend". (Quelle: Pandorafilm)











