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Stellen sich schützend in die Südostecke des Alten Botanischen Gartens: Teilnehmer der Aktion gegen den Baubeginn für einen Südeingang. (Fotos: Andrießen)

"Wir wollen, dass die vielen Besucher die Ruhe und die Natur im letzten nicht direkt zugänglichen Stück des Gartens weiterhin genießen können": Freundeskreisvorsitzende Bärbel Kaufmann.

"Lasst es wachen und blühen": Teilnehmer der Protestaktion säen im Alten Botanischen Garten Wildblumen aus.

NABU-Vogelexperte Eberhard Lübbecke erklärt, wie wichtig der kleinste Lebensraum für Vögel und Insekten ist.

Protestaktion gegen Südeingang

19.04.2026: Über 40 Freundinnen und Freunde des Alten Botanischen Gartens haben sich am Sonntag schützend vor die Südostecke des Gartendenkmals gestellt, um gegen den von der Philipps Universität gewollten zusätzlichen Südeingang zu protestieren. Zuvor hatten bei einer öffentlichen Ortsbesichtigung Redner des Freundeskreises Alter Botanischer Garten und des NABU Marburg sowohl die Pläne der Universität als auch die Befürchtungen der Natur- und Denkmalschützer vorgestellt.
 
So sagte Hartmut Möller, dass die Petition des NABU beim Hessischen Landtag in Bezug auf den umstrittenen Südeingang weiterhin anhängig sei, während die Petenten bereits eine umweltfreundlichere Wegebeschaffenheit und einen Verzicht auf die Beleuchtung der Hauptwege durchgesetzt hätten. Nur die Eingänge zum Park sollten demnach ausgeleuchtet werden.
Der Naturschutzbeirat der Stadt Marburg habe die Neueinrichtung eines Südeingangs als „problematisch“ bewertet und der Ortsbeirat Campusviertel lehne diese Planungen ebenfalls ab. Dennoch beginne die Universität bereits jetzt mit den Arbeiten zum Südeingang, offenbar um Fakten zu schaffen.
 
Freundeskreisvorsitzende Bärbel Kaufmann betonte, dass man keineswegs gegen die ausgiebige Nutzung des Gartens durch Besucher eingestellt sei - obwohl das in der zehnjährigen Auseinandersetzung um den zusätzlichen Südeingang immer wieder behauptet werde. Vielmehr gehe es darum, den Garten als Kulturdenkmal und Lebensraum für Pflanzen und Tiere vor erheblichen Gefahren zu schützen und ihn für seine Nutzer zu erhalten. Gerade in der ruhigen Südostecke seien regelmäßig sehr viele Menschen zu beobachten, die sich in dieser naturnahen Umgebung sichtlich wohl fühlten.
 
NABU-Vogelexperte Eberhard Lübbeke schilderte den Teilnehmern der Ortsbesichtigung, dass angesichts der immer weiter zurückgehenden Artenvielfalt von Vögeln und Insekten jede Störung ihrer Lebens- und Rückzugsgebiete nach Möglichkeit zu vermeiden sei. Es gehe im Alten Botanischen Garten nicht um einzelne bedrohte Arten, sondern um die Natur in der letzten, noch nicht durch Ein- und Durchgänge erschlossenen Ecke des Gartendenkmals.
 
Nachdem 2018 vorgelegten Parkpflegewerk soll vom Südeingang zur Universitätsbibliothek einer der Hauptdurchgangswege laufen, um die Idee eines universitären Campus zu verwirklichen. Freundeskreis und NABU wollen stattdessen einem zusätzlichen Südeingang nur dann zustimmen, wenn er ausschließlich als barrierefreier Zugang für Rollstuhlfahrer gestaltet wird. Dann wäre er in der Regel verschlossen und könnte nur durch Rollstuhlfahrer mit ihrem Normschlüssel geöffnet werden.
 
Hartmut Möller abschließend: „Der NABU prüft, einen Baustopp des Südeingangs über ein Verfahren beim Verwaltungsgericht zu erwirken.“